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Globale Verantwortung

Je nachdem, welches Zurechnungsprinzip zur Anwendung kommt, würden die Länder unterschiedlich viele Emissionsrechte brauchen.

Ökonomen und Philosophen der Uni Graz zeigen auf, wie Emissionsrechte gerecht verteilt werden können

Kommenden Montag, am 30. November 2015, beginnen in Paris beim UN-Klimagipfel die Abschluss-Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen. Für die Verteilung der Emissionsrechte – also der CO2-Mengen, die ein Land in Zukunft noch ausstoßen darf – sowie deren Kontrolle – ist unter anderem zu klären, welchem Staat bestimmte Emissionen überhaupt zuzurechnen sind. Ökonomen des Wegener Center der Karl-Franzens-Universität Graz haben in einer Studie unter der Leitung von Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger verschiedene Möglichkeiten und deren unterschiedliche Auswirkungen analysiert. Die überraschenden Ergebnisse ihrer Arbeit wurden soeben im renommierten Fachjournal Nature Climate Change veröffentlicht.

„Grundsätzlich können für ein und dieselbe Emission verschiedene AkteurInnen entlang der weltweiten Wertschöpfungsketten verantwortlich gemacht werden“, erklärt Karl Steininger den Ausgangspunkt der Studie und bringt ein Beispiel: „Wenn für die Produktion eines Smartphones Energie nötig ist, die aus Verbrennung von Kohle gewonnen wird, gibt es mehrere Möglichkeiten, wem diese Emissionen zugeschrieben werden: dem Land, in dem die Kohle gefördert wird, angenommen Australien, dem Land, in dem sie eingesetzt und das Smartphone produziert wird, etwa China, oder dem Land, in dem das Gerät gekauft und verwendet wird, beispielsweise Österreich.“ Je nachdem, ob das Prinzip „fossile Rohstoffförderung“, das Produktions- oder das Konsumprinzip zur Anwendung kommt, würde Australien, China oder Österreich mehr Emissionsrechte brauchen.
Steininger nennt Zahlen aus dem Jahr 2011: „Betrachtet man die heutige Situation, so weist zum Beispiel Österreich nach dem derzeit in den UN verwendeten Produktionsprinzip pro Einwohner Emissionen in Höhe von 13 Tonnen CO2-Äquivalenten auf, nach dem Konsumprinzip fast doppelt so viel – 22 Tonnen –, nach dem Rohstoffförderprinzip nur eine Tonne.“ Im Vergleich dazu Deutschland: Hier sind es 13 Tonnen nach dem Produktionsprinzip, 18 Tonnen nach dem Konsumprinzip und drei Tonnen nach dem Rohstoffförderprinzip.

Die Ergebnisse der von Ökonom Karl Steininger und einem Team aus Wirtschafts- und Klimaforschern durchgeführten Untersuchung liefern eine Basis für den in den Klimaverhandlungen festzulegenden Weg: „Wir plädieren für eine kostengünstige und effektive Emissionsreduktion – und ihre gerechte Umsetzung – mit Hilfe einer parallelen Bilanzierung nach allen Grundprinzipien“, so Steininger. Denn wenn zum Beispiel die EU schmutzige Produktion auf andere Kontinente verlagert, aber unverändert diese Güter nachfragt, sinken die globalen Emissionen nicht, sondern steigen vielleicht sogar noch an.

Ein von vornherein bestes Prinzip gibt es laut den Autoren der Studie nicht, da sich für die allermeisten Emissionen nicht nur ein Land alleine verantwortlich machen lasse. Jeder beteiligte Staat könnte seinen Beitrag zur Reduktion leisten. Darüber hinaus hält Steininger einzig die „Verantwortlichkeit für Emissionen“ für kein gut anwendbares Kriterium. „Ein besserer Zugang wäre, sich anzusehen, wer die Kapazitäten hat, die Umstellung auf sauberes Wirtschaften zu bewältigen. Nach dieser sogenannten Verteilungsgerechtigkeit sind vor allem jene Länder gefragt, die historisch – auch durch frühere überdurchschnittlich hohe fossile Energieverwendung und Emissionen – reich geworden sind“, unterstreicht der Forscher.
Auf jeden Fall brauche es für eine nachhaltige und gerechte Reduktion auf Basis umfassender Treibhausgas-Bilanzierungen die internationale Einigung auf Richtlinien, nach denen diese Bilanzierungen transparent erstellt werden können.

Publikation:
Multiple carbon accounting to support just and effective climate policies
Karl W. Steininger, Christian Lininger, Lukas H. Meyer, Pablo Muñoz and Thomas Schinko
Nature Climate Change, DOI: 10.1038/nclimate2867

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